Scheinwerkverträge / Daimlerurteil

Dienstag, 17 September 2013 15:13 geschrieben von 
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Ich habe mich zum Thema Scheinselbständigkeit zwischenzeitlich mehrfach zu Wort gemeldet. Einerseits sind die politischen Rahmenbedingungen unsauber, andererseits nutzen "merkwürdige Gesellen" in meiner Sichtweise diese legislative Unsicherheit zu meinen Ungunsten aus. Verschlimmert wird dieser Effekt wahrscheinlich einerseits durch den Volkszorn zu Leiharbeit, andererseits durch die Rentenversicherung.

 

Der Sachverhalt: Computacenter hat sich zweier externer Mitarbeiter bedient (52J, 56J) um einen bestimmten Werkvertrag zu erfüllen. Aus irgend einem ominösen Grund wurde die Zusammenarbeit beendet. Darauf hin klagten die Experten auf Einstellung bei Daimler.

Diese Klage ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung, denn wer sich als Freiberufler anbietet, ist Freiberufler. Wenn er sich einklagt, schadet er den anderen Freiberuflern, weil Firmen diese Vorgehensweise recht teuer zu stehen kommt und die Firmen nun nie wissen, ob sie einen potentiellen Einkläger oder einen ordentlichen Menschen vor sich haben.

Die Sache ist aber trotzdem merkwürdig, denn wenn Computacenter diese Leute mit ihrem Ticketsystem arbeiten ließ, sind sie faktisch Mitarbeiter von Computacenter gewesen. Im Artikel in der CIO vom 16.09.2013 im Abschnitt "Arbeitsgericht gab Daimler zunächst Recht" war folgendes zu lesen

...."Auslöser der Klage war dann offenbar, dass Daimler die Zusammenarbeit mit dem von Computacenter beauftragten Subunternehmen, für das sie formal tätig waren, Ende 2011 beendete.".....

Wieso beendigt Daimler einen Vertrag zwischen Computacenter und den Freelancern? Verstehen Sie das? Was hat Daimler in einem Vertrag zweier anderer Parteien verloren? Etwa weil sie festgestellt haben, dass die Diskussion um solche Leiharbeiter gefährlich wird? Oder waren die Herren unzuverlässig geworden? Oder wurden die Leuten denen zu alt????

Ich meine, Daimler wird sich sicher freuen, wenn das Gericht entscheidet, die zwei wären jetzt Daimlermitarbeiter; erstens haben sie die wieder, die sie nicht mehr wollen, zweitens haben sie viel Arbeit für die, denn für die Art Arbeiten wurde Computacenter beauftragt, da können sie jetzt nicht einfach so mitarbeiten, und weiter wird Daimler seine Beauftragungen künftig noch genauer anschauen.

Wenn das Gericht so entscheidet, dass der Klage der Computerleute enstprochen wird, hätte das weiter sehr negativen Einfluss auf nette Zusammenarbeit. Die Begründung liegt ja darin, dass die Beiden nicht ausschliesslich über das Ticket-System beauftragt wurden, sondern Bitten von Daimler-Internen zur weiteren Unterstützung entsprochen haben.

Das bedeutet, dass die zwei Unglücksraben uns Externen eine weitere Möglichkeit zur Kundenbindung genommen haben, Interne einfach auch mal freundschaftlich zu unterstützen.

Also ich habe für die beiden sogenannten Computerexperten weder Verständnis, noch besondere Sympathie.

Gelesen 4234 mal Letzte Änderung am Sonntag, 13 Juli 2014 18:43
Michael Schmid

Ich bin Inhaber der Firma it-dialog e.K. und entwickle seit 30 Jahren Produkte und leite seit 25 Jahren Projekte im Umfeld IT, Telekommunikation und Unternehmensorganisation, gerne auch als Interim Manager. Meine Erfahrung kombiniert mit Ereignissen der Gegenwart beschreibe ich journalistisch als Zeitzeuge; gerne über Dinge, die aus meiner Sicht auch besser laufen könnten. Ich hoffe auf Interessenten und Diskutanten

Webseite: www.it-dialog.com

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